Leben und Wirken Spalatins

Spalatin
Bildnis Georg Spalatin, Lucas Cranach d.Ä. | 1509 Öl auf Holztafel, auf Leinwand übertragen | Bestand: Museum der bildenden Künste Leipzig | Foto: PUNCTUM; Bertram Kober

* 17.01.1484 – † 16.01.1545

 

Wer war Georg Spalatin?

 

Er war der Mann hinter Luther, der Steuermann der Reformation. Georg Burkhardt, der sich gemäß humanistischem Brauch nach seiner Geburtsstadt Spalt den Gelehrtennamen „Spalatinus“ gab, wurde am 17. Januar 1484 als Kind einer ledigen Mutter und eines unbekannten Vaters im Bistum Eichstätt geboren. Nach dem Besuch der Schule in Spalt, die dem St.-Nikolaus-Stift angegliedert war, und der berühmten Lateinschule St. Sebald in Nürnberg erfolgte 1498 die Immatrikulation des „Georius [sic!] Burgardi de Spaltz“ an der Universität Erfurt. Nachdem er dort 1499 den akademischen Grad des Baccalaureus erworben hatte, wechselte er 1502 an der Seite seines dem humanistischen Bildungsideal verpflichteten Lehrers Nikolaus Marschalk an die neu gegründete Universität Wittenberg und erhielt dort im folgenden Jahr die Magisterwürde. Im Jahr 1508 wurde er in Erfurt zum Priester geweiht. Im selben Jahr wechselte er als Prinzenlehrer an den kurfürstlichen Hof nach Torgau und erlangte schnell das Vertrauen des Kurfürsten Friedrich III. (der Weise) von Sachsen. Er wurde Geheimsekretär, geistlicher Berater und Hofprediger.

 

Spalatin und Luther

Das Zusammenspiel von Martin Luther und Kurfürst Friedrich III. von Sachsen am Ausgangspunkt der Reformation ist ohne die Vermittlungstätigkeit Spalatins undenkbar. Sein Wirken als Geheimsekretär und weltlicher Rat einerseits, andererseits als geistlicher Ratgeber und Seelsorger des Ernestiners erklärt den Einfluss, den er auf den tiefgläubigen Fürsten ausüben konnte. Aufgrund seiner sich seit

1516 abzeichnenden engen Bindung an Martin Luther und dessen Theologie muss es insbesondere als Spalatins Verdienst angesehen werden, dass der Kurfürst Luther Schutz gewährte und sich die Reformation entfalten konnte. Spalatin vermittelte fortan zwischen den beiden Persönlichkeiten. Er ebnete Wege und hatte großen Anteil daran, dass Martin Luther heute als großer Reformator bekannt ist. Als Vertrauter der sächsischen Kurfürsten nahm Spalatin an allen entscheidenden Reichstagen und Fürstentreffen teil. Seit 1516 in der kurfürstlichen Kanzlei tätig, oblagen ihm verschiedene Aufgaben in Kirchen- und Universitätsfragen. 1521 veranlasste Spalatin im Anschluss an den Reichstag in Worms, wo Luther sich und seine Schriften verteidigt hatte, dessen Entführung auf die Wartburg. Damit wollte er Luther in Sicherheit wissen und hielt während Luthers dortigen zehnmonatigen Aufenthaltes die Verbindung zu ihm aufrecht. Mit Luther und Melanchthon setzte er sich für die Universitätsreform in Wittenberg ein. Als Übersetzer der Schriften von Luther und Melanchthon sowie eigener Werken förderte er die evangelische Lehre.

 

 

Spalatin
Bildnis des Reformators Georg Spalatin, Lucas Cranach d.Ä. | 1537 Mischtechnik auf Laubholz | Bestand: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe | Foto: A. Fischer/H. Kohler, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 2013

Georg Spalatin und seine Zeit in Altenburg

von 1525 bis 1545

 

Spalatin der Superintendent

Bereits 1522 wandten sich die Bürger Altenburgs an Luther mit der Bitte um einen deutschen Prediger. Dieser sandte Wenzeslaus Linck. Nach dem Tod Friedrichs des Weisen kam Spalatin 1525 auf Bitten Luthers als Pfarrer nach Altenburg in Thüringen. Spalatin nahm sich vor, hier die Ideen der Reformation umzusetzen. Er startete in Luthers Auftrag zunächst als Stadtpfarrer und übernahm 1528 in Altenburg als einer der ersten Superintendenten das „Pilotprojekt“ Altenburg.

 

Visitationen

Die Reformation lässt Weniges im täglichen Leben der Stadt unverändert: Die Klöster werden aufgelöst, was oft mit einem jahrelangen zähen Kampf verbunden ist. Die Krankenhäuser, die Schulen und die Armenversorgung müssen neu organisiert werden. Einfluss und Ländereien sind zwischen den Interessen der Städter, der Kirche und dem Kurfürsten neu zu verteilen. Die Qualität der kirchlichen Versorgung wird mit Hilfe von „Visitationen“ streng beurteilt und verbessert. Durch zahlreiche Visitationen leistete er in den Jahren 1527 bis 1542 einen entscheidenden Anteil am Aufbau der landeskirchlichen Strukturen. Spalatin dokumentiert diese Prozesse während der 20 Jahre seines Wirkens und steht in engem brieflichen Kontakt zu Luther, der selbst oft persönliche Hilfe bei seinem guten Freund und Vertrauten sucht.

 

 

Eines der wertvollsten Zeitdokumente aus der Reformation
Bibel aus dem Besitz Georg Spalatins, gedruckt 1486 in Speyer Residenzschloss Altenburg

Die Spalatin-Bibel

Eines der wertvollsten Zeitdokumente aus der Reformation

Untergetaucht als Junker Jörg begann Martin Luther auf der Wartburg mit der Übersetzung der Bibel. Luther lehnt sich dabei sehr stark an den griechischen Urtext an, nutzte aber auch die Vulgata. Selbst die aktuelle Version der Lutherbibel von 1984 greift die Textgestalt der alten Vulgata „Et pax Dei ... custodiat corda vestra“ (bewahre eure Herzen) auf, während die Nova Vulgata den griechischen Urtext mit „custodiet corda vestra“ (wird eure Herzen bewahren) übersetzt.

Die handschriftlichen Randbemerkungen lassen auf eine sehr intensive Nutzung schließen und sind Georg Spalatin zuzuordnen. Eine genauere Untersuchung dazu läuft derzeit noch. Spalatins Bibel befindet sich heute im Besitz der Stadt Altenburg.

 

 

Gedenkstein
Gedenktafel im Chorraum der St. Bartholomäikirche "Georg Spalatin - Verwalter der Altenburger Kirche " 1525 - 1545'

Spalatins Lebensabend

1545 starb der „Steuermann der Reformation“ in Altenburg und wurde in der St. Bartholomäikirche beigesetzt. Seine Gebeine sind verschollen. Die Erinnerungen an Georg Spalatin, der sowohl im weltlichen als auch im kirchlichen Leben eine große Bedeutung hatte, leben in Altenburg fort. Noch heute erinnert eine Gedenkplatte in der St.-Bartholomäikirche an den Diplomat Luthers, den ersten Superintendent Altenburgs. Auf dieser wird Georg Spalatin als Gubernator bezeichnet. Gubernator stammt aus dem Lateinischen und wurde ursprünglich vom "Steuermann eines Schiffes" abgeleitet.